Traumberuf Tontechniker

Selbstverständlich gehen wir zu Konzerten, um akustisch befriedigt zu werden. Die Melodie, die Stimmung - wir nehmen sie auf, ohne wirklich auf die Technik, den Sound und das Licht zu achten, das verkabelt und gesteuert werden muss, bevor es überhaupt erst wahrgenommen werden kann. Der Veranstaltungstechniker hat das alles im Griff. Er ist zuständig für die Infrastruktur genauso wie für Aufnahmen, Abmischung und Wiedergabe. Was es dafür braucht? Ein gesundes Ohr, ein Gefühl für Klang, eine Liebe zur Technik und Musik, und natürlich: Kreativität und Organisationstalent. Ob Studium oder Ausbildung, es gibt viele Wege zu diesem Traumberuf. Was es aber vor allem braucht ist Erfahrung. Die hat Ole Kersjes allemal. Ob als DJ oder Licht- und Tontechniker für Liveshows oder Konzerte - viele kennen ihn, wir haben mit ihm gesprochen.
kreative Berufe - Tontechniker

Hi Ole, wie bist du zu deinem Beruf gekommen?

Moin! Früher hab ich mich für Freunde darum gekümmert, dass ihre Party’s technisch funktionierten. Das Organisatorische und Technische lag mir und hat echt Bock gemacht. Nur leider sah ich zu dem Zeitpunkt keine Möglichkeit beruflich in diese Richtung zu gehen, da dieses Berufsfeld damals nur von Autodidakten ausgeführt wurde. Und in der Gegend in der ich aufgewachsen bin, gab es null Firmen, die in diesem Bereich tätig waren. 1999 wurde die „Fachkraft für Veranstaltungstechnik“ dann Ausbildungsberuf. Ich hab mich daraufhin bundesweit auf alle mir zur Option stehenden Stellen beworben und bin dann im Saarland gelandet.

Ausbildung oder Studium, was macht mehr Sinn? Was muss man deiner Meinung nach beachten?

Ich würde hier immer eine Ausbildung empfehlen, damit man später weiß, was auf einen zukommt. Wenn es einem gefällt, kann man immer noch ein Studium dranhängen. Außerdem braucht man Kontakte, und zwar zu jedem, der einem nicht total auf die Nerven geht. Denn es wird immer der Tag kommen, an dem man vor einem Problem steht, dass man schlecht alleine bewältigen kann. Wenn man dann einen Telefonjoker hat, kann einem das den Arsch retten.

Dieser Job ist alles andere als 0815. Er ist eine Berufung. Man wird ständig mit Überstunden, Schlafmangel, schlechtem Essen, geringer Bezahlung, harter körperlicher Arbeit, mangelndem Privatleben usw. konfrontiert. Der Job steht ganz klar an erster Stelle. Wenn es plötzlich heißt :“Der Kunde hat sich dafür entschieden, dass die gesamte Bühne um 180° gedreht wird, weil das seinem Chi zuträglicher ist“, oder wenn am Freitag Nachmittag plötzlich ein Kunde anruft, dem jetzt eingefallen ist, dass er noch Technik inkl. Personal für morgen und übermorgen braucht, dann hat man wenige Alternativen.

Wo hast du überall schon gearbeitet und wo arbeitest du am liebsten?

Die Palette reicht über Festivals, Ballett, Theater, Konzerte, Musicals, Modeschauen sowie Produktpräsentationen usw.

Aber am liebsten arbeite ich mit einem guten Team, egal was und wo. Wenn Du dich auf dein Team und die einzelnen Leute verlassen kannst und alle an einem Strang ziehen, kann kommen was will, dann ist alles machbar. Einer meiner Auftraggeber sagte immer :“Wir haben die Besten gebucht und die Lustigsten bekommen“.

Was ist der kreativste Part an deinem Job?

Das Kreativste ist für mich das Programmieren vom Licht. Wenn ich z.B. eine Band oder einen bestimmten Song mit Licht unterstützen soll und mir weitestgehend freie Hand gelassen wird.

Ein elementarer Teil deines Jobs ist es auch, dass du ständig unterwegs bist. Mobilität ist wichtig, jede Woche und jede Veranstaltung ist anders. Was brauchst es menschlich gesehen dafür?

Meiner Meinung nach sollte man beruflich versuchen, seine eigenen Interessen hinten anzustellen. Man sollte eher das große Ganze im Blick haben. Alle, ob Veranstalter, technischer Leiter, Techniker, Stagehands usw. haben im Normalfall ein gemeinsames Ziel und zwar das es für das Publikum zu einer gelungenen Veranstaltung wird.

Leider führt das auch dazu, dass das Privatleben im Schatten des Berufes steht. Da braucht man einen starken Partner an seiner Seite.

Was macht dir am meisten Spaß? Und wann wird es richtig kompliziert?

Ich finde es am schönsten, wenn ich z.B. Produktionsleiter bin und all die Gedanken, die man sich vorher gemacht hat und die Gespräche die man geführt hat, zu einem Guss zusammenwachsen und alle, also Techniker, Künstler und später auch das Publikum zufrieden sind.

Anstrengend und kompliziert wird es dagegen, wenn man z.B. ein Gastspiel hat, also beispielsweise mit z.B. einem Theaterstück in einem anderen Theater auftritt, und die vorherige Kommunikation spärlich aussieht bzw. gar keine Resonanz kommt. Dann kann man sich ziemlich sicher sein, dass es vor Ort viele Probleme zu lösen gibt; genervte Haustechniker, genervte Künstler und man darf dann meistens alles selbst ausbaden.

Vielen lieben Dank für das Interview und den Einblick! Alles Gute für dich!

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Tontechniker Ole Kersjes

Ole Kersjes

Ole Kersjes (*1979) ist aus dem Veranstaltungskalender der Großregion nicht wegzudenken. Als Licht- und Tontechniker betreut er seit Jahren das  “Perspectives“ Festival sowie die Veranstaltungen im THEATRE. Seine Hobbies sind Lichtdesign, Musik, Musikproduktionen, Sounddesigns, DJ-ing, Stopmotion und Bier brauen.

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