Staatspreis Gewinner Diemer & Schweig im Interview

Die Architektin Anne Diemer und der Designer Sebastian Schweig sind Eigentümer des Designstudios Diemer & Schweig und stehen BUNTE KOHLE im Interview Rede und Antwort.

Hallo Ihr beiden. Danke, dass ihr euch Zeit nehmt, um mit uns zu quatschen. Fangen wir direkt mittendrin an: Mit der Metzgerei Konrad haben Diemer & Schweig ein saarländisches Familienunternehmen im Portfolio, das mittlerweile in der 6. Generation betrieben wird. Wie ist es zu dieser Zusammenarbeit gekommen?

Anne Diemer und Sebastian Schweig (diemerschweig.de)

Hallo, wir freuen uns, mit euch über unsere Arbeit zu reden. Mit der Metzgerei Konrad arbeiten wir seit 2015 zusammen. Über diesen langen Zeitraum hat sich zwischen uns eine vertrauensvolle Zusammenarbeit entwickelt.

Am Anfang wurden wir mit dem Redesign des Erscheinungsbildes beauftragt. Das neue Corporate Design wurde anschließend auf die Geschäftsausstattung, Unternehmenskommunikation, Fuhrpark und Innenraumgestaltung angewandt.

Unsere Zusammenarbeit ist ein fortlaufender Prozess, der immer noch anhält. Der Markenauftritt der Metzgerei entwickelt sich stetig weiter und ist in der Lage sich unternehmerischen, technischen und gesellschaftlichen Entwicklungen anzupassen.

Eure Arbeit für Konrad wurde bereits mit dem Staatspreis Design 2017 prämiert. Welche Effekte haben sich durch eure Prämierung ergeben? Oder blieb alles beim Alten?

Wir freuen uns sehr über die Auszeichnung. Designpreise wie dieser haben zwar keinen Einfluss auf unsere Arbeitsweise, aber sie sorgen dafür, dass das Thema gute, nachhaltige Gestaltung und ihr gesellschaftlicher Stellenwert von einem breiteren Publikum bewusster wahrgenommen wird. Die Bekanntheit unseres Designstudios nimmt stetig zu, wir können neue Kunden für uns begeistern und das macht uns natürlich glücklich. Wir sind Gestalter mit Herz und Seele und es ist schön, wenn unsere Arbeit Anerkennung findet.

Welche Herausforderungen und Probleme gab es im Laufe der Zusammenarbeit? Gab es etwa konservative Strukturen, die euch Steine in den Weg gelegt haben oder ging das alles ganz einfach und ihr seid offene Türen mit euren Ideen eingerannt?

Bei allen Aufträgen handelt sich um eine höchst individuelle und auch im geschäftlichen Kontext persönliche Angelegenheit. Uns ist es daher sehr wichtig, unseren Auftraggeber, das Unternehmen, das Produkt bzw. die Dienstleistung, die Prozesse und die Menschen im Unternehmen kennenzulernen und zu verstehen. So stellen wir sicher, dass unsere Gestaltung bzw. die Botschaft am Ende eines Auftrags maßgeschneidert und zu 100% authentisch ist. Wir verstehen unsere Auftraggeber als Teammitglieder, die unsere Arbeitsweise nachvollziehen können, in die einzelnen Arbeitsschritte eingebunden werden und mit uns auf Augenhöhe kommunizieren. Das schafft Transparenz und Vertrauen.

Im Fall von Traditionsunternehmen wie der Metzgerei Konrad ist es besonders wichtig, die Unternehmenshistorie zu respektieren. Beim Redesign sind wir sehr analytisch und behutsam vorgegangen. Seit der Eröffnung 1896 wurden über die Jahre hinweg verschiedene Designstile miteinander vermischt, die dem heutigen Unternehmensprofil nicht mehr gerecht wurden. Basierend auf grafischen Studien der vergangenen 100 Jahre, haben wir die prägnantesten visuellen Elemente der Unternehmenskommunikation herausgearbeitet und weiterentwickelt. Das Ergebnis ist ein modernes Erscheinungsbild, das den Markenauftritt der Metzgerei Konrad schärft. Zu Designprozessen wie diesem gehören natürlich auch Diskussionen und Überzeugungsarbeit — gerade wenn man mit Konventionen bricht. Es kostet Mut und auch ein gewisses Maß an Überwindung, Bewährtes zu überdenken und sich neuen Ideen zu öffnen.

Unsere Arbeit und die gute Zusammenarbeit wurde durch das positive Feedback der Kunden und Mitarbeiter belohnt. Die Auszeichnung mit dem Saarländischen Staatspreis 2017, einem CO&CO Selected Award und die Nominierung für den German Design Award 2019 sind das Sahnehäubchen.

Ihr kommt, wie eingangs bereits erwähnt, aus unterschiedlichen Disziplinen. Wie ist es dazu gekommen, dass ihr gemeinsam ein Designstudio gegründet habt und was hat sich seit dem alles entwickelt?

Unsere Büros »Atelier Diemer« (Architektur) und »Studio Sebastian Schweig« (Grafikdesign) haben schon immer erfolgreich an gemeinsamen Aufträgen gearbeitet. Eine Zusammenführung der beiden Büros und die Bündelung der Kompetenzen erwies sich als logische und zukunftsweisende Konsequenz, die unserem ganzheitlichen Gestaltungsansatz entspricht.

Unser Schwerpunkt ist die Konzeption, Entwicklung und Gestaltung von Erscheinungsbildern und visuellen Identitäten für Marken und Unternehmen. Mit unserer Unit »Brand Spaces« verbinden wir die Disziplinen Design, Architektur und Kommunikation zu einer Einheit und schaffen eine neue, räumlich erlebbare Dimension in der Unternehmens- und Markenkommunikation. Wir entwickeln Shopdesigns, Interiorkonzepte, Ausstellungs- und Messedesigns, Orientierungs- und Leitsysteme, Räume für Virtual Reality und Kommunikation im Raum.

Es ist für uns als kreative Menschen sehr inspirierend, Grenzen zu überschreiten und interdisziplinär tätig zu sein. Für unsere Kunden ist es selbstverständlich auch von Vorteil einen Ansprechpartner für verschiedene Teilbereiche zu haben. Die Zusammenführung ermöglicht es, noch präziser zu arbeiten und auf allen Ebenen ein stimmiges, qualitatives Gesamtbild zu erhalten.

Wie sieht eure Zusammenarbeit an einzelnen Projekten aus? Bearbeitet ihr alle Kunden gemeinsam? Welche Herausforderungen gibt es zu meistern und wann ist eure Interdisziplinarität besonders fruchtbar?

Ja, wir arbeiten immer im Team. Dieser Austausch ist die Essenz unserer kreativen Arbeit. Wir sind beide Gestalter, Künstler und Musiker, die in vielen Disziplinen zuhause sind. Unser akademischer Werdegang und die akademische Berufsbezeichnung ist nur auf dem Papier relevant (zum Beispiel bei konkreten Bauvorhaben, die eine Architektin erfordern) und spielt in unserem Alltag eine untergeordnete Rolle. Wir bringen beide unser Wissen und unsere Erfahrungen in alle Bereiche ein. Das zeichnet uns aus.

Was für zukünftige Projekte stehen gerade an? Irgendwas richtig Besonderes auf der Agenda?

Das Projekt Konrad ist immer noch aktuell: Wir kümmern uns gerade um den Unternehmensbereich Konrad Catering. Dazu gehören die Planung und Gestaltung eines Showrooms, die Entwicklung einer Kampagne und viele weitere spannende Aufgaben. Ansonsten widmen wir uns gerade wieder verstärkt unser Leidenschaft Ausstellungsdesign mit spannenden Raumkonzepten und interaktiven Schnittstellen. Mehr dürfen wir noch nicht verraten 🙂

Wir freuen uns auf die Zukunft und hoffen, dass weiterhin so schöne und aufregende Projekte zustande kommen.

Dann wünschen wir euch weiterhin viel Erfolg, natürlich auch im Hinblick auf eure Nominierung für den German Design Award 2019. Vielen Dank, dass ihr unsere Gäste wart und uns mit so vielen Insights versorgt habt.

Vielen Dank für das nette Interview, hat uns Spaß gemacht mit euch!

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Bilder von diemerschweig.de

 

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