Selbstständigkeit und Mutterschaft | Talk To Me

Selbstständigkeit und Mutterschaft schließen sich nicht aus. Eine freiberufliche Tätigkeit kann sogar die perfekte Chance sein, beides unter einen Hut zu bekommen. Da aber nur ein Drittel aller Selbstständigen Frauen sind und nur jedes 13. Startup von einer Frau gegründet wird, haben wir mal genauer nachgefragt, wie saarländische Superfrauen ihre Selbstständigkeit mit Kind so meistern.
Selbstständigkeit und Mutterschaft

Jeannette Rester – Systemische Therapeutin und Beraterin | Beratung Rester

“Selbstständigkeit und Familie – geht das? Und wenn ja, wird man da allen Ansprüchen gerecht? Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es funktioniert. Meist sogar besser als man vermutet. Als ich mich vor 8 Jahren in die Selbstständigkeit wagte sah die Welt noch etwas anders aus – ich hatte nämlich noch keine Kinder. Ich arbeitete wie es mir gefiel. Termine zu fast jeder Uhrzeit waren kein Problem und auch das Wochenende konnte einmal dem ein oder anderen Projekt zum Opfer fallen. Als dann unsere erste Tochter geboren wurde mussten wir uns erstmal neu orientieren. Kinderbetreuung war hier ein großes Thema, da klar war, dass ich weder 3 Jahre zuhause bleiben wollte noch konnte. Gut war es hier sich frühzeitig seine Gedanken zu machen, um einen der heiß begehrten Plätze in einem Kindergarten zu bekommen. Wenn man sich beruhigt seinem Business widmen möchte ist es essentiell zu wissen, dass die Kinder in guten Händen sind.

Sein eigener Boss zu sein bietet mit Familie sicherlich manchen Vorteil. Ich plane meine Termine selbst und habe daher auch den Freiraum mir mal Zeiten zu blocken, die ich mir gerne für die Familie nehmen möchte. Auch im Krankheitsfall der Kinder kann ich ziemlich flexibel reagieren und muss mich vor keinem Chef erklären warum Kleinkinder öfters krank werden als man glaubt.

Ich möchte aber nicht unerwähnt lassen, dass es auch Zeiten gibt in denen die Selbstständigkeit mit sich bringt, dass man abends wenn die Kinder schlafen noch am Schreibtisch sitzt oder an Wochenenden doch arbeiten muss, da es terminlich nicht anders leistbar ist. Dennoch überwiegen für mich ganz klar die Vorteile, die ich nicht missen möchte. Für mich war und ist es von großer Bedeutung, dass ich in meinem Business aktiv von meinem Mann unterstützt werde. Außerdem ist ein gutes soziales Netzwerk aus Familie und Freunden ein großer Segen um Engpässe in der Betreuung abzufangen. Gut tut auch der Austausch mit Frauen, die sich auch der Herausforderung Selbstständigkeit gestellt haben. Unser Netzwerk besteht aus vielen kreativen, inspirierenden Frauen. Wir treffen uns alle 2 Monate zu einem Themenschwerpunkt und tauschen uns aus. Bei diesen Runden sind bereits manche Ideen gesponnen worden und Kooperationen entstanden.”


Tanja Begon | freiberufliche Texterin und Online-Redakteurin aus Saarbrücken

“Selbst und Ständig – So ist die Parole. Aber verträgt sich das auch mit der Mutterschaft? Ja klar! In Verbindung mit der Vaterschaft stellt diese Frage schließlich auch niemand. Dabei sind die Voraussetzungen eigentlich die gleichen.

Gut arbeiten kann ich nur, wenn ich mir um das Kind keine Gedanken machen muss. Wir haben für unsere Tochter eine tolle Krippe gefunden. Morgens zwischen 8 und 9 Uhr komme ich an einem Schreibtisch an, entweder beim Kunden oder an meinem eigenen Arbeitsplatz in der Manufaktur der schönen Dinge. Bis halb drei habe ich die Freiheit, mich meinen Projekten zu widmen. Dann hole ich die Räubertochter ab und der Nachmittag gehört uns, wenn das nicht der Papa macht. Unser Glück ist, dass auch er seine Arbeitszeiten ziemlich flexibel gestalten kann. Unsere persönliche Ausgangsfrage war: “Wieviel Fremdbetreuung finden wir gut, ohne die Sorge zu haben, dass wir das Beste verpassen?”

Egal ob mit oder ohne Kind: Eine solide Projektplanung ist das A und O aller Selbständigen. Ich plane immer großzügig. Auftraggeber werden lieber angenehm überrascht als vertröstet. Meine Abende halte ich grundsätzlich arbeitsfrei. Auch ich brauche Zeit zur Regeneration, für meine kreativen Projekte und Sport. Außerdem muss so ein freier Abend oft genug noch als Puffer herhalten. Hier zeigt sich der vielleicht größte Unterschied zwischen Eltern und jenen Selbständigen, denen kein Unsicherheitsfaktor in Windeln den Plan verdirbt. Ich sage nur: Impftermine, Drei-Tage-Fieber und Läuse. Puffer sind unverzichtbar, wenn man seine Aufträge wirklich zuverlässig fristgerecht abschließen will.

Auch was die Ziele angeht, ist eine gehörige Portion Nüchternheit nötig. Das unterscheidet mich als selbständige Mutter allerdings auch nicht von anderen Selbständigen. Natürlich wächst mein Business nicht so schnell, wie es das könnte, wenn ich 60 Stunden pro Woche arbeiten würde. Aber schnelles Wachstum muss für die erste Zeit auch gar nicht die oberste Priorität haben. Das Maß sind die regelmäßigen Ausgaben, die gedeckt werden müssen. Und auch hier helfen Puffer über Schwierigkeiten hinweg. Zweifellos läuft auch bei uns nicht alles perfekt. Schon so manche Kinderkrankheit und Überraschung, die das Leben sowieso bereit hält, haben uns gezeigt, wie wichtig es ist, nicht alles knapp auf Kante zu planen. Und trotzdem wird es immer wieder stressig. Aber bereut habe ich die Entscheidung noch kein einziges Mal. Denn ich kann Beruf und Familie zu meinen Bedingungen leben. Das ist es, was ich an der Selbständigkeit so großartig finde: Ich bestimme meine Ziele selbst.

Aber kein Mensch ist eine Insel und natürlich ist Unterstützung enorm wichtig. Es gibt sehr viele Anlaufstellen, ihr bekommt heute meine ersten drei:

  • Das kreativzentrum.saar hat mir wichtige Impulse und Anknüpfungspunkte gegeben und bietet wertvolle Netzwerkveranstaltungen und Workshops.
  • Zahlreiche Gruppen im Netz versprechen Austausch und Unterstützung in allen möglichen Bereichen. Viele halten das Versprechen auch. Besonders für selbständige Mütter möchte ich die Mompreneurs erwähnen.
  • Im Saarland organisiert Jeannette Rester das Netzwerk selbständiger Mütter sozusagen live.

 Wenn ihr auf der Suche nach Austausch und einem Netzwerk seid, meldet euch gerne bei den angegebenen Stellen.

 

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Kommentare

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  1. Ich finde es super, dass ihr uns selbständigen Mütter hier vertritt. Ich kann mich euch nur anschließen, ich würde es nicht mehr anders machen wollen. Wenn es auch bedeutet, sich noch besser organisieren zu müssen – die Vorteile überwiegen für mich immer.
    Liebe Grüße und bis zu unserem nächsten Netzwerktreffen 😉