Kreativ trifft Wirtschaft | MM,M & Tabula Rosa

Ein Logo ist das Aushängeschild eines Unternehmens. Es spiegelt eine Marke, spielt damit, vermittelt auf gestalterische Art eine Message. Seriöse Dienstleistung oder individuelle Konsumware? Bei Tabula Rosa findet man definiv letzteres. Seit Mai gibt es den Second Hand Laden im Nauwieser Viertel, das dazugehörige Logodesign stammt vom Kreativbüro MM,M. Zwei gute Gründe also, um sich das Ergebnis mal genauer anzuschauen:
Kreativ trifft Wirtschaft | MM,M & Tabula Rosa

Liebe Sarah, du hast einen Vintageladen im Nauwieser Viertel eröffnet! Was verkaufst du dort genau und in welcher Art und Weise sollte das Logo das wiederspiegeln? Hattest du im Vorfeld Vorstellungen, wie es aussehen soll?

Im „TABULA ROSA – second and“ bieten wir handverlesene Vintage-Mode, davon viel im Stil der 80er und 90er, sowie neue Einzelstücke: Bekleidung, Schuhe, Accessoires – hier vor allem Buntes und Unkonventionelles. Außerdem möchten wir angehenden Designern und Künstlern aus der Region eine Plattform bieten, sich professionell zu präsentieren. Teile der Ladenfläche können sie nutzen, um ihre Kreationen anbieten – oder den Laden gleich im Ganzen als Showroom mieten.

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Für das Logo hatte ich relativ klare Vorstellungen und einige Kriterien. So sollte es v.a. einen 80er Jahre-Touch haben, gepaart mit aktuellen Design-Einflüssen. Es war mir zudem ein Anliegen, dass sich das Interior Design des Ladens im Logo widerspiegelt: Farben, Formen, Einrichtung. Eine weitere Vorgabe war, dass zwei Zielgruppen berücksichtigt werden: „normale“ Kunden und Künstler, mit denen ich zusammenarbeiten möchte, d.h. dass beide vom Logo angesprochen werden sollen. Ein weiteres Kriterium war, dass es ein variables Logo wird.

Ich hatte eine recht große Sammlung an Beispiel-Logos – gute wie schlechte –, um den Kommunikationsdesignern so ein möglichst klares Bild von dem zu vermitteln, was mir vorschwebte.

Liebe MM,Ms, ihr habt dann nicht nur ein Logo, sondern ein ganzes Logosystem geschaffen. Was ist der Unterschied bzw. Vorteil zu nur einem Logo?

Im Verlauf unseres Gesprächs hat sich schnell herauskristallisiert: Tabula Rosa braucht nicht unbedingt ein Logo, sondern vielmehr eine Sprache. Daher haben wir aus grafischen Modulen ein Baukastensystem entwickelt, das spielerisch veränderbar ist. Es spiegelt die Vielfalt des Ladens wider: Dort werden Kleidungsstücke anprobiert und gewechselt – genauso werden in unserem Logo Elemente ausgetauscht.

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Welche Aspekte sind sonst noch bei der Gestaltung mit eingeflossen?

Tabula Rosa führt insbesondere Vintage-Mode aus den 80er Jahren. Die Formelemente, sowie das Farbschema sind aus dieser Zeit inspiriert. Sie kommen in unserem Logosystem – und auch im Laden selbst – zur Geltung. Eine prägnante Form ist das Quadrat, das als Grundlage des Rasters fungiert. Auch die Typografie ist auf diesem Raster aufgebaut. Zu jedem Buchstaben gibt es mehrere Varianten – manchmal reduzieren sie sich sogar auf geometrische Formen.

Liebe Sarah, warum hast du die MM,Ms ausgewählt? Wie bist du auf ihre Arbeit aufmerksam geworden?

Aufmerksam wurde ich auf MM,M im Jahr 2016 beim Projekt „Broschüre Quartier Mainzer Straße“, das ich betreue. MM,M hat mir Daten eines Kunden zukommen lassen, und da ich ja selbst aus der Kommunikationsbranche komme und den Namen der Agentur nicht kannte, war ich natürlich neugierig und hab mir die Website angeschaut. Das hat mir alles sehr zugesagt – die drei haben einen sehr hohen künstlerischen Anspruch, der sich von der Masse abhebt. Dass ich irgendwann mit ihnen zusammenarbeite, war zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht klar.
Als das mit dem Laden dann spruchreif wurde, habe ich lange überlegt, wer für diesen Job der oder die Richtige ist. Und da kam mir MM, M wieder in den Sinn. Und nach dem ersten Gespräch mit MM, M hatte ich ein gutes Gefühl, denn als das Wort „Baukasten“ gefallen ist, wusste ich, dass sie genau wissen, was ich will. Was sich am Ende auch bestätigt hat.

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Liebe MM,Ms, eure Designs findet man sonst auch im Kultur- und speziell im Kunstkontext. Worin unterscheiden sich klassische Auftraggeber bzw. ihre Aufträge von denen aus dem öffentlichen Kulturbetrieb?

Wir arbeiten im kulturellen Kontext und im direkten Dialog mit Künstlern und Auftraggebern. Der Kunst- und Kulturkontext bietet uns dabei viel Raum für Interpretation und Ideen. Solange »klassische« bzw. kommerzielle Auftraggeber offen dafür sind, gemeinsam mit uns inhaltsbezogene und unkonventionelle Konzepte zu entwickeln, gibt es keinen großen Unterschied zum Kulturbetrieb. Vielleicht einen: Die Kulturschaffenden trauen sich oft mehr.

Liebe Sarah, sind neben dem Logo noch Folgeaufträge bzw. Erweiterungen geplant? Arbeitet Tabula Rosa noch mit anderen Kreativen zusammen? Wenn ja, in welchem Bereich?

Geplant ist an Folgeaufträgen erst einmal nichts, denn alles, was ich an Werbemitteln benötige, kann ich dank des Baukastens selbst aufbauen. Meine Skills diesbezüglich sind allerdings begrenzt – deshalb sind weitere Aufträge sehr wahrscheinlich.

Tabula Rosa arbeitet wie bereits erwähnt mit regionalen Designern zusammen, und diese Zusammenarbeit möchte ich in Zukunft ausweiten. Neben selbstentworfener und/oder bedruckter Bekleidung, Schmuck und Taschen möchten wir bald auch kleine Ausstellungen zeigen: Graffitis, Bilder, Zeichnungen. Wir suchen immer Leute, freuen uns über jede Kontaktaufnahme und schauen uns die Sachen immer gerne an!

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Vielen lieben Dank für das Interview und alles Gute für euch!

 

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