Interview – Izabella Markiewicz von Maedchenwahn Illustration und Kerstin Hülsmann, Ritzenhoff

RITZENHOFF setzt seit Jahrzehnten auf Kooperation mit Kreativen gänzlich verschiedenener Branchen. Die Zusammenarbeit des  Glasherstellers aus dem Sauerland mit Designer*innen steht exemplarisch für die Kooperationspotentiale, die traditioneller Wirtschaft und der Kreativbranche innewohnen. Wir trafen Izabella Markiewicz und Kerstin Hülsmann zu einem Gespräch. Die Textildesignerin und Gründerin von Mädchenwahn Illustration und ihre Ansprechpartnerin in der PR-Abteilung von RITZENHOFF, berichten über ihre Zusammenarbeit.

Liebe Izabella, liebe Frau Hülsmann, wir freuen uns sehr, dass ihr euch Zeit für uns genommen habt und wir mehr über die spannende Zusammenarbeit von Maedchenwahn Illustration und Ritzenhoff erfahren.

Fangen wir bei dir an, liebe Iza. Du bist selbständige Illustratorin und hast mit Maedchenwahn Illustration deine eigene Firma. Seit wann machst du das und wie bist du dazu gekommen?

Izabella Markiewicz: Ich habe im Jahr 2010 mein Label Maedchenwahn Illustration gegründet. Zu Anfang mit eigenen Produkten (Postkarten, Kalendern, Geschenkpapieren oder Etuis), seit gut zwei Jahren arbeite ich jedoch als freie Illustratorin und Designerin für Verlage und Kunden u.a. aus dem Bereich Textilien, Porzellan, Geschenkartikel oder Wohn-Accessoires. Seit diesem Jahr freue ich mich besonders auf die gemeinsame Arbeit mit RITZENHOFF.

Frau Hülsmann, erzählen Sie uns doch kurz, was Ihre Aufgabe bei RITZENHOFF ist, was das Unternehmen im Allgemein macht und wofür es steht.

Kerstin Hülsmann: Ich bin bei der RITZENHOFF AG für Public Relations, sprich Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Ich bin das Sprachrohr des Unternehmens für die Medien und sorge dafür, dass unser Unternehmen und vor allem natürlich unsere schönen Produkte eine große Präsenz in allen relevanten Zeitschriften sowohl im Printbereich als auch in Onlinemedien haben. Gerade in den Bereichen Interieur/Design/Wohnen haben mittlerweile fast alle Zeitschriften auch ein Onlineformat. Ich versorge diese Medien mit Bildern und Texten über unsere Glaskollektionen. Das ist auch unser Kerngeschäft: Die RITZENHOFF AG ist ein Glashersteller. Am Standort Marsberg im Sauerland produzieren wir Trinkgläser für die Getränkeindustrie und natürlich die Designkollektionen mit den tollen Dekoren, die eigentlich jeder kennt. Es gibt kaum jemand, der kein RITZENHOFF-Glas zuhause hat, sei es als Sammelobjekt oder, auch sehr beliebt, als Geschenkartikel.

Wie ist es zur Zusammenarbeit zwischen RITZENHOFF und Maedchenwahn Illustration gekommen? Wie ist der Kontakt zustande gekommen? Wie seid ihr aufeinander aufmerksam geworden?

Izabella Markiewicz: Ritzenhoff kenne ich schon lange. Während meines Studiums der Innenarchitektur habe ich in einem Design-Einrichtungshaus gejobbt und mich dort u.a. um die Ritzenhoff Abteilung gekümmert. So bin ich auf die Design Gläser aufmerksam geworden. Schon damals fand ich es sehr spannend, die Biografien der Designer auf den Verpackungen zu lesen. Ganz heimlich habe ich schon da davon geträumt, ein Mal selbst ein Teil der RITZENHOFF-Designer zu sein.

Anfang diesen Jahres habe ich mal wieder eine Fachmesse besucht und dort die Designmanagerin von Ritzenhoff kennengelernt. So kam es dann auch zu unserer Zusammenarbeit.

Iza, du illustrierst vor allem Stoffe und Produkte für Kinder, richtig? Was hat dich an einem Bierglas gereizt und was hat dich besonders herausgefordert? Auf welche Besonderheiten musstest du bei der Gestaltung achten?

Izabella Markiewicz: Mein Illustrationsstil tendiert in der Tat sehr in Richtung Kindermotive. So durfte ich schon einige Projekte in diesem Bereich machen und arbeite auch gerade an einigen aktuellen Produkten für Kinder. Ich bin aber schon immer offen für neue Herausforderungen und Aufgabenbereiche gewesen. So fand ich es sehr inspirierend mich mit dem Material Glas auseinander zu setzen, dabei die Motive für Erwachsene zum Thema Bier bzw. Oktoberfest zu gestalten und trotzdem meinem Zeichenstil treu zu bleiben. Mit dem Dekor für das Weizenbierglas ist es mir ganz gut gelungen, wie ich finde.

Das finden wir auch. Der RITZENHOFF-Website kann man entnehmen, dass das Unternehmen mit einer Vielzahl verschiedener Designer*innen zusammen arbeitet. Worin besteht der besondere Reiz und welchen Mehrwert bietet das für das Unternehmen?

Kerstin Hülsmann: Aktuell arbeiten wir mit über 300 Kreativen weltweit zusammen. Ich sage bewusst „Kreative“, denn es handelt sich nicht nur um „klassische“ Designer*innen, die unsere Dekore entwerfen. Wir haben Illustrator*innen, Architekt*innen, Comiczeichner*innen, um nur einige zu nennen, in unserem Kontaktportfolio. Die Idee ist zwar schon über 25 Jahre alt, im Jahre 1992 gab es die erste Milchglaskollektion, aber sie ist heute so genial wie damals: Für einen einheitlichen Glastyp z.B. ein CHAMPUS-Glas wird von unterschiedlichen Kreativen ein Dekor entworfen. Je nach Idee und Background des Künstlers entstehen so immer neue Dekore, die dann die eigentliche Kollektion ergeben. Diese „Kunstwerke“ machen die Gläser zu etwas ganz Besonderem und vor allem Individuellem. Über die Milchglaskollektion wurde damals gesagt, sie sei die kleinste Kunstsammlung der Welt. Dieser Gedanke gefällt mir sehr. Bei RITZENHOFF findet jeder sein Lieblingsglas und sein Lieblingsdekor. Dann sind die Gläser auch noch sehr aufwendig und exklusiv verpackt, unsere Fangemeinde liebt das.

Wie sieht die Zusammenarbeit zwischen RITZENHOFF und den Designer*innen generell aus? Wie akquiriert Ritzenhoff und nach welchen Kriterien werden die Designer*innen ausgesucht?

Kerstin Hülsmann: Wie die Kreativen zu RITZENHOFF kommen, ist ganz unterschiedlich. Oft kommen die Designer*innen auf Messen, z.B. der Ambiente in Frankfurt zu uns an den Stand und stellen sich vor. Manche schicken ihr Portfolio direkt zu uns. Aber auch wir sind auf Messen unterwegs z.B. auf der IMM in Köln, dem Salone del Mobile in Mailand oder der Maison é Object in Paris und schauen uns nach neuen Talenten um, wer von sich reden macht, wer besonders gefragt ist usw. Diese Kontakte sprechen wir dann direkt an. Ich habe eine Kollegin, die für das Designmanagement zuständig ist. Sie akquiriert neue Designer*innen, pflegt Kontakte und vor allem wählt sie auch die passenden Designer*in für die jeweiligen Projekte aus, verschickt die Briefings und coacht, während der Entwicklungsphase. Wenn es zu einer Zusammenarbeit kommt, entwirft der/die Designer*in ein Dekor. Alle eingegangenen Entwürfe werden dann von einer Jury beurteilt und ausgewählt. Danach gehen die Gläser in die Produktion und die Designer*innen bekommen von uns Lizenzen, die sich anhand der verkauften Stückzahlen berechnen lassen. Solange ein Glas im Verkauf ist, verdient auch der/die Designer*in. Wir finden das fair.

In welche Richtung kann sich die Zusammenarbeit von Maedchenwahn Illustration und RITZENHOFF weiterentwickeln? Wird es weitere Produkte geben, die von dir illustriert werden, Iza?

Kerstin Hülsmann: Viele unserer Kreativen tauchen in verschiedenen Kollektionen auf. Wenn der Style passt, gibt es nichts, was dagegenspricht.

Izabella Markiewicz:  Ich bin da auch schon sehr gespannt – was ich aber vielleicht schon verraten darf, schon bald erscheint ein Kaffeebecher welchen ich für Ritzenhoff entwerfen durfte 😉.

Da sind wir schon mächtig gespannt drauf. Iza, welche Tipps hast du für unsere Leser*innen in puncto Akquise? Was lohnt sich am meisten und warum? Und was ist deiner Erfahrung nach verlorene Liebesmüh?

Izabella Markiewicz: Ich finde, egal was man macht, lohnt sich. Vielleicht nicht sofort, aber irgendwann kann man aus allem einen Nutzen ziehen. Daher mein erster Tipp: MACHEN! Sich selbst und die eigenen Fähigkeiten weiterentwickeln, neugierig bleiben und vieles ausprobieren.

Der nächste Tipp ist mit der eigenen Arbeit in die Welt raus gehen und sie zeigen. Die schönsten Entwürfe bringen mir nichts, wenn sie in einer Schublade liegen. Also ein Portfolio

zusammenstellen und Messen besuchen. Sich vorbereiten und potenzielle Kund*innen direkt ansprechen. Vor allem der persönliche Kontakt ist Gold wert.

Natürlich kann man auch sehr gut im Internet recherchieren, wo passe ich mit meinem Stil am besten hin. Dann heißt es wieder sich trauen und eine Mail an potenzielle Kund*innen schreiben – oder noch effizienter direkt anrufen.

Und wenn es Absagen oder mal negative Antworten gibt, weiter an sich glauben und immer weiter und weiter machen. Ausdauer ist sehr wichtig und wird am Ende belohnt.

Welche Projekte stehen in nächste Zeit ansonsten an? Was ist besonders Spannendes auf euren Zetteln?

 

 

Kerstin Hülsmann: Wir stecken mitten im Weihnachtsgeschäft. RITZENHOFF Gläser sind ja immer sehr beliebt als Geschenkartikel. Dann ist im Februar wieder die Ambiente in Frankfurt, die weltgrößte Kosumgütermesse und dort stellen wir immer viele Neuheiten vor. Die gilt es jetzt zu entwickeln. Es wird und bleibt auf jeden Fall spannend!

Izabella Markiewicz: Bei mir ist gerade auch so einiges los. So habe ich vor kurzem einen Adventskalender für eine Kosmetikfirma illustriert, Motive für Home Decor Artikel entworfen, und arbeite aktuell an einem Produkt für Babies, mehr darf ich noch nicht verraten.

Inspiriert von der Zusammenarbeit mit RITZENHOFF habe ich mich mehr mit dem Material Porzellan und Keramik auseinandergesetzt. Im November  gebe ich meine Erfahrungen im ersten Keramik Workshop in Kooperation mit der Malbar Saarbrücken weiter. Ich freue mich schon sehr Ideen und Konzepte mit den Teilnehmer*innen zu erarbeiten und sie dann direkt auf die Keramik zu übertragen.

Und dann freue ich mich sehr auf die kommenden Messen im neuen Jahr – vor allem auf die Ambiente und den RITZENHOFF Stand um dort das Weizenbierglas zu sehen.

Vielen lieben Dank, dass ihr euch Zeit für uns genommen habt und viel Erfolg für eure Zusammenarbeit und die anstehenden Projekte.

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