Go International | Talk to me

Bei Go International ist der Name Programm: Geh raus, zeig dich der Welt, erschließe neue Märkte! Dass das nicht immer einfach ist und vielleicht sogar mehr Mut erfordert als die Gründung selbst, ist klar. Die saaris hat daher mit Unterstützung des Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Verkehr "Go International" ins Leben gerufen. Hier werden Unternehmer*innen dabei unterstützt, den Schritt ins Ausland zu wagen, finanziell und mit Know-How. Wir haben mit Internationalisierungsexpertin Raphaela Adam über das Programm gesprochen.
Projektmanagement

Liebe Raphaela, schön, dass du dir Zeit für uns genommen hast! Kannst du das Programm „Go International“ nochmal kurz für all diejenigen vorstellen, die bei CONTENT & CRÉMANT im August nicht dabei waren? Wo liegt der Fokus und wie kann ich als Unternehmer*in von dem Programm profitieren?

Gerne. „Go International“ ist eine Initiative, die saarländische Unternehmen auf ihrem Weg auf Auslandsmärkte unterstützen soll. Dabei spielt es keine Rolle, ob das Unternehmen schon etabliert ist oder erst Fuß fasst. Auch die Branche oder das gewählte Zielland spielen für unsere Förderung keine Rolle. Einzige wichtige Vorbedingung ist, dass es sich um ein kleines bzw. mittelständisches Unternehmen handelt, das eine gesunde Basis hat. Lust auf’s internationale Geschäft und ein gewisses Durchhaltevermögen sollte man auf jeden Fall mitbringen, denn für den Weg ins Ausland braucht es schon einen längeren Atem.

Grundsätzlich unterstützen wir saarländische Unternehmen mit Informationen, Beratung und vor allem mit Kontakten zu potenziellen Geschäfts- und Kooperationspartnern. Netzwerke sind für unsere Arbeit immens wichtig – für unser kleines Team ist es schlicht unmöglich, Expertise zu allen 200 Staaten und damit Zielmärkten vorzuhalten. Wir arbeiten daher mit verschiedenen Partnerorganisationen zusammen. Die wichtigsten sind das Enterprise Europe Network, das weltgrößte Unterstützungsnetzwerk für KMU mit 500 Partnern, die Auslandshandelskammern und die Partner von InterGest Worldwide, die uns als Repräsentanten der saarländischen Wirtschaft besonders verbunden sind.

Neben den „Klassikern“ wie Wirtschaftsreisen und Infoveranstaltungen setzen wir vor allem auf zwei Förderprogramme, die individuelle, bedarfsgerechte Lösungen für einzelne Unternehmen ermöglichen. Da haben wir zum einen „inKontakt“, bei dem man schnell und flexibel bis zu 3.000 Euro für Marktanalyse, Markteintrittsberatung, Kontaktvermittlung, Messebeteiligungen im In- und Ausland und viele andere Maßnahmen mit internationalem Bezug beantragen und auch erhalten kann. 2 Zielmärkte oder 2 Maßnahmen pro Jahr sind drin.

Was ist das Besondere an „Go International“?

 „Go International“ ist unser Angebot  für „Rookies“.  Dabei handelt es sich um ein 2-phasiges Programm speziell für Internationalisierungsneulinge. In der ersten Phase prüft das teilnehmende Unternehmen gemeinsam mit einem erfahrenen Coach  die Voraussetzungen für den Schritt in die Internationalisierung. Die Coachs  sind alle erfahrene (ehemalige) Unternehmer oder Führungskräfte, die sich mit dem internationalen Geschäft auskennen. Wichtig: die Coachs  haben nicht den Stein der Weisen gefunden, sie haben aber einen Kenntnis- und Erfahrungsvorsprung und sind eher Sparringspartner.  Sind Coach und Unternehmer der Auffassung, dass eine Internationalisierung Erfolgsaussichten hat, planen sie zusammen erste Maßnahmen zum Markteintritt. Wenn es dann an die Umsetzung geht, gibt es finanzielle Unterstützung. Etwa wenn es zum Beispiel um die Erstellung unternehmensspezifischer Publikationen, Werbemaßnahmen oder die Erstellung einer fremdsprachlichen Homepage geht. In dieser Phase erhalten Sie 50% der Kosten erstattet, maximal 5.000 Euro.

Wir sind auch gerne für neue Ideen und innovative Lösungen zu haben. Uns ist wichtig, einen Weg in die Umsetzung zu finden und versuchen, möglichst viel möglich zu machen.

Wie lange gibt es das Programm schon und wie genau läuft es ab?

Die klassischen Instrumente wie die Wirtschaftsreisen gibt es schon sehr lange. Mit „Go International“ und „inKontakt“ sind wir vor etwas mehr als drei Jahren gestartet.

Vom Ablauf her ist alles recht easy. Am Anfang steht immer ein Gespräch, persönlich oder am Telefon. Dabei verständigen wir uns mit dem Unternehmen auf passende  Maßnahmen. Wenn es um die beiden eben geschilderten Programme geht, folgt dann die Bitte, einen Anmeldebogen auszufüllen. Das sollte nicht länger als 5 bis 10 Minuten dauern. Bei „inKontakt“ fragen wir nach einem Angebot, um die Förderhöhe festzulegen. Dann kann es auch schon losgehen. Nach Abschluss der Maßnahme brauchen wir eine Rechnung, einen Zahlungsbeleg und eine Kontonummer. Und das war’s auch schon.

„Go International“ ist aufgrund der Coachingphase etwas aufwändiger, weil wir zuerst Coach und Unternehmen matchen und dann der Entwicklungsprozess einsetzt. Grundsätzlich ist es vom Ablauf her ähnlich wie bei „inKontakt“.

Worin siehst du die Chancen und Risiken einer Internationalisierung des eigenen Unternehmens? Ist der Sprung auf ausländische Märkte für jede*n ratsam?

Die Chancen liegen sicherlich in der Vergrößerung des eigenen Aktionsradius‘ oder anders ausgedrückt: Man erschließt sich neue Märkte und Zielgruppen. Wenn alles gut läuft, steigern sich Umsatz und Gewinn. Internationalisierung macht zugleich flexibler und stabiler. Wenn es in einem Markt mal nicht so gut läuft, kann das Geschäft in einem anderen das ausgleichen. Das gilt aber nur unter bestimmten Voraussetzungen. Ein Unternehmen, das ins Auslandsgeschäft will, sollte ganz unabhängig von Größe und Umsatz grundsätzlich gesund sein. Denn der Schritt ins Ausland bedeutet mehr Arbeit und ggf. auch Investitionen – und das bevor ich überhaupt Geld sehe. Wichtig ist auch, Zeit einzuplanen, strukturiert und planvoll vorzugehen, sich realistische Ziele zu setzen. Wer zu viel zu schnell will, fällt meist auf die Nase. Ich bin auch davon überzeugt, dass Neugier auf andere Länder und Kulturen sehr hilfreich ist. Im Ausland ist manches anders, das heißt aber nicht, dass es schlechter ist. Man muss sich einlassen wollen.

Wir haben tatsächlich schon Unternehmen abgeraten, meist weil wir den Zeitpunkt für die Internationalisierung für zu früh oder die Ziele  für zu unrealistisch oder überambitioniert hielten. Es ist auch schon vorgekommen, dass die Vorrecherche ergeben hat, dass das Produkt in der bestehenden Form auf dem gewünschten Markt keine Chance hat. Das ist schade, aber letztendlich spart auch so eine Auskunft Zeit, Geld und Nerven.

Nach drei Jahren kann man vorsichtig ein erstes Fazit ziehen. Wie werden eure Unterstützungsprogramme angenommen? Gibt es Erfolgsgeschichten, von denen du uns berichten kannst?

Erfreulicherweise können wir sagen, dass die Programme sehr gut angenommen werden. Die Fallzahlen steigen jährlich, gerade bei „inKontakt“ ist die Nachfrage groß. 2018 hatten wir einen schönen Anstieg bei „Go International“. Das macht immer besonders großen Spaß, weil man sehen kann, wie in den Unternehmen etwas entsteht. Über die Programme haben wir z.B. dazu beigetragen, dass auf Kuba nun coole E-Bikes und in den USA Eventtechnologie „made in Saarland“ im Einsatz sind.

Über die Zeit haben wir natürlich auch dazu gelernt. Zum neuen Jahr hin wird es einige Anpassungen geben, die das Mitmachen nochmals attraktiver machen werden. Außerdem haben wir ein spannendes Projekt für junge Unternehmen in der Pipeline. Ihr könnt also gespannt sein!

Bietet Ihr Informationstage oder Veranstaltungen zum Thema „Go International“ an?

Wir informieren bei verschiedenen Veranstaltungen über unser Angebot und bieten speziell Informationen zu Zielmärkten oder Außenwirtschaftsfragen an. Am 18. Oktober kann man z.B. lernen, wie man „Fiot for fairs“ wird, also wie man einen Messeauftritt erfolgreich gestaltet. Für Neueinstiger ins internationale Geschäft wird es auch wieder ein „Rookie-Frühstück“ geben. Da werden Erfahrungen, Ideen, Tipps und Tricks für den Markteintritt im Ausland ausgetauscht.

Was ist der erste Schritt, den ein*e Unternehmer*in tun muss, wenn sie/er an dem Programm interessiert ist?

Anrufen, Termin vereinbaren, vorbeikommen – einfach mit uns sprechen…
Und für die ganz Eiligen: (fast) alle Infos sind auf unserer Website zu finden.

Vielen herzlichen Dank für das Interview!

 

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