EXPERTENWISSEN // VR & AR in der Kommunikation von Unternehmen

CREATIVE SOLUTIONS – Neue Entwicklungen und Trends in Kommunikation und Marketing ist DAS neue Matching-Format des kreativzentrum.saar und der IHK Saarland. Hier wird die Kreativwirtschaft mit ihren innovativen Lösungen mit der traditionellen Wirtschaft vernetzt. Eines der beiden Unternehmen, die am 17. Mai in der IHK Insights zum Thema präsentieren, ist Aspekteins. Die Einladung zu Creative Solutions ist für Daniel Guthor, Geschäftsführer der VR-Schmiede, eine willkommene Gelegenheit mal wieder aus Berlin rauszukommen und der alten Heimat und den Kollegen in der Saarbrücker Niederlassung Hallo zu sagen. Vorab hat er sich die Zeit genommen, um uns einige Fragen zum Thema VR/AR und Unternehmenskommunikation zu beantworten.

Daniel, ihr habt euch auf Virtual-Reality (VR) und Augmented-Reality (AR) spezialisiert. Wo liegen die Vorteile gegenüber „normalen Image-Filmen“?

VR und AR sind beides Formate, die auf der räumlichen Erfassung der Umgebung beruhen und somit das Erkunden des Raumes um den Zuschauer herum ermöglichen. Darin liegt auch die primäre Abgrenzung zu traditionellem Film. VR tut dies, indem die tatsächliche Welt durch digitale Artefakte substituiert wird, z.B. in Form eines 360° Videos oder einer interaktiven Anwendung.

AR hingegen nutzt die tatsächlich vorhandene Welt und reichert sie um digitale Informationen an. Als Overlay auf der realen Welt, vergleichbar mit einem Head-Up Display im Auto – nur eben als Brille vor den Augen des Nutzers. Grundsätzlich liegen die Mehrwerte beider Medien in einem Bündel von Charakteristika, die unter dem Oberbegriff Immersion zusammengefasst werden.

Immersion bezeichnet den Zustand des Abtauchens in virtuelle und augmentierte Welten. Um diesen Zustand zu erreichen, bedarf es einer gefühlten Präsenz in diesen Welten, wider dem besseren Wissen, nicht dort zu sein. Weiter ist die Komponente der Handlungsfähigkeit in VR und AR Szenarien relevant. Sobald der Erlebende das Gefühl hat, in der virtuellen und augmentierten Welt den Lauf der Dinge beeinflussen zu können, verstärkt sich der Eindruck, tatsächlich dort zu sein, in eben jener Immersion abzutauchen.

Zusammenfassend liegen die Vorteile von VR/AR gegenüber traditionellem Film in genau diesem charakteristischen Unterschied: Dem Gefühl der Immersion. Immersive VR-Erlebnisse werden als tatsächlich erlebt im Gehirn abgespeichert, wohingegen filmische Erzeugnisse, z.B. ein Kinofilm, als gesehen erinnert werden.

Welche Potenziale lassen sich durch den Einsatz von VR besonders gut herauskitzeln bzw. für welchen Bereich macht VR besonders viel Sinn?

Die Paradebeispiele für den Einsatz von VR sind Szenarien, die in ihrer Räumlichkeit erfassbar gemacht werden und bestenfalls interaktiv durch den Nutzer gesteuert werden können. Exemplarisch kann man hier an einen Maschinenraum denken mit Schaltern und Bedienelementen in jeder Himmelsrichtung. Dieses Szenario kann mit VR bestmöglich erlebbar gemacht werden und für Trainings- und Schulungszwecke gewinnbringend genutzt werden.

Welchen Nutzen hat der Einsatz von VR für den Mittelstand? Und sprengt die Produktion den finanziellen Rahmen von kleinen und mittleren Unternehmen?

Der Nutzen von VR-Anwendungen auf Seite der Auftraggeber ist im Einzelfall zu betrachten, je nach den unternehmensspezifischen Indikatoren, mit denen die Performance der VR/AR-Maßnahme gemessen wird. Für unsere Kunden sind diese Performance Indikatoren sehr unterschiedlich, jedoch immer in Zahlen fassbar: Disney möchte mit Ihrer VR-Experience von Aspekteins mehr Zuschauer in die Kinos locken, Matthias Schweighöfer möchte mehr Zuschauer für seine Serie gewinnen, Mercedes möchte mehr Autos verkaufen, Bahlsen mehr Kekse, Radisson mehr Hotelbetten, etc..

Neben diesen recht breitflächigen Ansätzen gibt es bei vielen Aspekteins Kunden auch sehr spezifische Zielsetzungen, die mit dem Einsatz von VR-Experiences einhergehen. Diese sind häufig im Bereich von ‚Training on the Job‘ und Recruiting angesiedelt. So setzt der Arbeitgeberverband der chemischen Industrie gezielt VR ein, um zukünftige Talente zu finden, indem das zukünftige Arbeitsumfeld immersiv in 360° erkundet werden kann. Andere Aspekteins Kunden nutzen VR-Technologien, um durch Lerninhalte Einsparpotenziale zu heben oder Effizienzsteigerungen im Weiterbildungsbereich zu erzielen.

Das Kosten-Nutzen Verhältnis lässt sich durch die Analysemöglichkeiten von VR gut durchleuchten. Wenn durch den Einsatz on VR-Trainings z.B. die Fehlerquote um eine gewisse Prozentzahl gesenkt wird, dann sind die Einsparungen klar zu beziffern und können dem Aufwand der Maßnahme gegenübergestellt werden. Betrachtet man die relativen Kosten für die Produktion von VR-Inhalten in Abhängigkeit ihres Nutzens, so stellt sich vielmehr die Frage, ob auch kleine Unternehmen es sich leisten wollen, darauf zu verzichten.

Gibt es immer noch Berührungsängste zwischen der traditionellen Wirtschaft und dem Einsatz von VR? Falls ja, woran liegt das deiner Erfahrung nach?

Von Angst würde ich an dieser Stelle weniger sprechen, dafür sind alleine die Investitionen in Technologien und Inhalte des Mediums zu massiv. Der VR/AR-Markt entwickelt sich – bei aller Begeisterung und zeitweiligem Hype – völlig unüberraschend im Rahmen der bekannten Modelle zur Adaption neuer Technologien. VR wie AR sind derzeit zwischen Early-Adoption und früher Massenmarktphase. Das Gros der Marktteilnehmer wartet auf die Killer-App und den Killer-Use-Case, die den Sprung zum Massenmarkt katalysieren.

Auch sollte man nicht unterschätzen, wie jung das Thema VR/AR in seiner aktuellen Renaissance ist. Die Integration von VR und AR in unseren Alltag wird uns die kommenden 30 Jahre und darüber hinaus beschäftigen. Diese Integration von VR/AR in unseren Alltag wird auf den Schultern der Digitalisierung aufbauen und die Digitalisierung in ihrer disruptiven Wirkung noch übertreffen. Sofern es ein Zögern seitens des Marktes gibt, ist dies aus meiner Perspektive die natürliche Aufteilung in First-Mover, die Neuland beschreiten und eben jene, die auf bewährte Vorgehensweisen setzen.

Für die bewährten Vorgehensweisen bilden sich aktuell, nach und nach, entsprechende Muster, die zur Best-Practice einladen. Auf der Gegenseite steht die Chance, tatsächlich Neues, nie Dagewesenes zu testen. Dieser Reiz ist für viele unserer Kunden die Motivation, neues Terrain zu beschreiten und die Potenziale von Medienformen wie VR und AR auszuschöpfen.

Vielen Dank Daniel für dieses Interview. Wir freuen uns, dich am 17. Mai in der IHK wiederzusehen und das Thema weiter vertiefen zu können.

Weitere Infos:

aspekteins.com

aspekteins.com – Beratung und Schulungen

CREATIVE SOLUTIONS

 

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