EXPERTENWISSEN // Cloud-Computing in Unternehmen

CREATIVE SOLUTIONS – Neue Entwicklungen und Trends in Kommunikation und Marketing ist DAS neue Matching-Format des kreativzentrum.saar und der IHK Saarland. Hier wird die Kreativwirtschaft mit ihren innovativen Lösungen mit der traditionellen Wirtschaft vernetzt.  Eines der beiden Unternehmen, das sich am 17. Mai ab 18.00 Uhr in der IHK präsentieren wird, ist SQUILD. Vorab haben wir mit Matthias Tinnemeier, Geschäftsführer des Cloud-Computing-Spezialisten, gesprochen.

Hi Matthias, schön dich mal wieder zu treffen. Was hat dich bewogen, dich als Speaker bei CREATIVE SOLUTIONS zu bewerben?

Hi Svenja – auch schön dich zu treffen! Erst einmal vielen Dank für die Gelegenheit zu diesem Interview und danke, dass wir bei der CREATIVE SOLUTIONS als Speaker eingeladen wurden.

Motiviert hat uns bei der Bewerbung der gleiche Grund, der uns auch als Unternehmen antreibt: Wir sind davon überzeugt, dass sich unsere Welt, geprägt durch die 4. industrielle Revolution, in den kommenden Jahren so gravierend verändern wird, wie niemals zuvor. Dies wird erhebliche Auswirkungen darauf haben, wie und warum wir überhaupt arbeiten. Wir sprechen hier über „New Work“ und die Anfänge sind heute schon sehr deutlich zu sehen.

In der Folge müssen die allermeisten Unternehmen sich massiv verändern. Nur dann können sie zukünftig noch Nutzen für Ihre Kunden stiften und sich so eine Existenzberechtigung sichern. Als SQUILD helfen wir Unternehmen dabei, genau diesen Wandel zu bestehen: Zum einen, indem wir ihnen digitale Produkte, wie unsere cloudbasierten Arbeitsplätze bereitstellen. Zum anderen, in dem wir unsere Erfahrungen über unsere eigene digitale Transformation und unsere Unternehmenskultur mit anderen teilen. Also: Wir lernen gerne immer wieder Neues dazu, erweitern gerne unseren Horizont und teilen gerne unsere Erfahrungen und unser Wissen – und dafür sind die CREATIVE SOLUTIONS perfekt geeignet.

Du hältst einen Vortrag zum Thema cloudbasiertes Arbeiten. Wo liegen deiner Meinung nach die Vorteile zum herkömmlichen Arbeiten?

Vorteile sind beispielsweise, dass Unternehmen cloudbasierte Tools sehr schnell und unkompliziert einführen können. Der Cloudanbieter entbindet das Unternehmen von aufwändigen Wartungs- und Pflegearbeiten, beispielsweise für die Infrastruktur oder in Sachen Backups oder Absicherung der Systeme. Somit ist weder für die Einrichtung noch für den Betrieb spezielles IT-Know-how erforderlich. Das schafft freie Ressourcen bei den bisherigen IT-Experten im Unternehmen, die sich nun gewinnbringender der Transformation des Geschäftsmodells widmen können, anstatt ihre Zeit und ihr Know-how mit dem Betrieb der Infrastruktur zu verschwenden. Cloudbasierte Tools sind zudem flexibel und ortsungebunden einsetzbar. Mit Einführung eines cloudbasierten Arbeitsplatzes befähige ich meine Mitarbeiter also im Home Office oder auf Reisen mindestens so produktiv sein zu können, wie wenn sie gerade am Schreibtisch im Büro sitzen würden.

Allgemein kann man also sagen, dass cloudbasierte Lösungen sich durch eine deutlich höhere Flexibilität und Effizienz auszeichnen. Daraus ergibt sich eine Steigerung der Produktivität und damit der Wertschöpfung. Übrigens bei oftmals geringeren Kosten im Vergleich zu klassischen Strukturen. Denn cloudbasierte Tools werden in der Regel nur nach Benutzung, also nach „tatsächlichem Verbrauch“, fakturiert, wodurch dem Unternehmen hohe Investitionskosten erspart bleiben.

Häufig stößt man seitens der Nutzer auf Bedenken, Clouds wären weniger sicher als die IT-Systeme bei den Firmen vor Ort. Was denkst du darüber?

Wenn wir über Sicherheit sprechen, gibt es ja mehrere Facetten, die hier oft vermischt werden: Einerseits geht es um den Datenschutz und andererseits um die Betriebssicherheit, also die Zuverlässigkeit der Systeme an sich. Erfahrungsgemäß haben gerade kleine und mittlere Unternehmen nur sehr begrenzte IT-Budgets – dies spiegelt sich in Infrastrukturen, die oft deutlich weniger Betriebssicherheit bieten, als die Infrastruktur eines Cloudanbieters.

Hinter jeder Cloud steht letztlich immer mindestens ein, meistens sogar mehrere untereinander vernetzte Rechenzentren. In diesen Rechenzentren herrscht eine immens hohe physikalische Sicherheit – von der Gebäudesicherheit angefangen, über die Zutrittskontrolle und den Wachschutz, über die redundante Auslegung von Stromzufuhr, Klimaanlagen, Glasfaseranschlüssen, bis hin zu Brandfrüherkennung, Löschanlagen und Notstromaggregaten. In dieser Form baut das kaum ein Unternehmen in den eigenen Räumlichkeiten auf.

Was die IT-Sicherheit und den Datenschutz betrifft, gilt Ähnliches. Sofern ein Unternehmen überhaupt eigene IT-Verantwortliche hat, haben diese in der Regel so vielfältige Aufgaben, dass IT-Sicherheit oft nur eines von vielen Themen ist. Entsprechend wird auch nur eine begrenzte Aufmerksamkeit auf das Thema gelenkt. Auch hier sind die Cloudanbieter deutlich besser aufgestellt. Große Unternehmen, wie Google oder Amazon beschäftigen in Ihren IT-Security-Teams mehrere 1.000 Spezialisten. Zudem ist das Geschäft aller Cloudanbieter direkt von der Sicherheit der Infrastruktur und dem Vertrauen, das Kunden in diese legen, abhängig. Man darf also von einem sehr hohen Eigeninteresse an hohen Sicherheitsstandards aller Anbieter ausgehen.

In Sachen Datenschutz greift demnächst die neue Datenschutzgrundverordnung – und die gilt erst einmal für alle gleich, ganz egal, ob Unternehmen Infrastruktur vor Ort selbst betreiben oder ausgelagert in einer Cloud nutzen. Die Sicherheitsstandards der neuen Verordnung sind ebenso hoch, wie die Strafen für diejenigen, die ihr nicht nachkommen. Dies zwingt alle Anbieter zu einer entsprechend konformen Arbeitsweise. Auch hier gilt: wenn ein Unternehmen hausintern allen Vorgaben nachkommen möchte ist der Aufwand finanziell sowie zeitlich sehr groß und es kann gerade deswegen Sinn machen über eine Auslagerung in die Cloud nachzudenken.

In meinen Augen sind Cloudlösungen in aller Regel also immer die bessere Entscheidung, wenn es um Sicherheitsbedenken geht – selbst für wirklich kritische Daten, beispielsweise im medizinischen oder juristischen Umfeld, gibt es sehr gute Spezialanbieter am Markt. Letztlich entscheidend ist natürlich die Wahl eines seriösen und vertrauensvollen Anbieters und die Verträge, die man mit diesem abschließt.

Ist cloudbasiertes Arbeiten für kleine und mittelständische Unternehmen sinnvoll? Wenn ja, warum?

Absolut. Wer das wissen will, muss zum Vortrag kommen 😉 Nein, Spaß bei Seite. Wenn du aber nach der Sinnhaftigkeit fragst, dann klingt das ein wenig so, als ob ich als Unternehmen tatsächlich eine Wahl hätte. So, als ob ich entscheiden könnte mitzuspielen oder eben auch nicht. Ich glaube das ist eine gefährliche Fehleinschätzung. Wenn ich an den eben beschriebenen Wandel zurückdenke, dann muss mir als Unternehmen bewusst sein, dass ich an der digitalen Transformation und an cloudbasierten Tools überhaupt nicht vorbeikomme.

Der Zusammenhang wird vielleicht nicht direkt klar, aber vorrangig muss ich mir einmal Gedanken darüber machen, wie ich mein bestehendes Geschäftsmodell auf eine digitale Wertschöpfung hin ausrichten kann. Nur so kann ich zukünftig überhaupt noch Geschäft generieren. Mit meiner bisherigen Organisationsstruktur wird das in der Regel kaum gelingen. Ich muss mein Unternehmen also grundlegend verändern. Die dafür notwendige Transformation kann mir nur gelingen, wenn ich einerseits meine bestehenden Mitarbeiter qualifiziere und befähige und andererseits spezialisierte Fachkräfte aus der Generation der „Digital Natives“ für mich gewinne – beides eine Frage der Unternehmenskultur einerseits und der richtigen (cloudbasierten) Tools andererseits.

Eine Unternehmenskultur, in der sich entsprechende Mitarbeiter wohl fühlen, ist geprägt von komplett anderen Motivationsfaktoren, als in klassischen Organisationsstrukturen. Ein Arbeitsplatz muss hier zwar nach wie vor Sicherheit bieten, allerdings zählen Dienstwagen oder ein hohes Gehalt schon längst nicht mehr zu den entscheidenden Top-Kriterien, die eine begehrte Stelle aufweisen muss. Gerade jüngere Generationen stellen stattdessen immer individuellere Ansprüche, beispielsweise in Bezug auf Flexibilisierung bei den Fragen wann, wie lange und von wo aus sie arbeiten wollen und auch dabei, welchen Sinn ihre Beschäftigung letztlich stiftet.

Auf Kundenseite gilt dies übrigens genauso. Menschen, deren Privatleben durch den On-Demand-Konsum über Amazon, Netflix, Hello Fresh, Uber oder ähnlichen Diensten geprägt ist und die eine enorm hohe Transparenz und Informationsvielfalt zu Produkten und Leistungen im Internet gewohnt sind, wenden die dort gelernten Muster natürlich auch im geschäftlichen Alltag an. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir auch bei reinen Business-to-Business Geschäften letztlich immer mit Menschen zu tun haben. Als Lieferant oder Dienstleister wird man dann daran gemessen, wie mühelos, selbstbestimmt, flexibel und zeitnah diese Menschen mit uns zusammenarbeiten können und wie ehrlich und transparent wir agieren. Hier versagen klassische Arbeitsmodelle.

Es ist also wichtig zu verstehen, dass cloudbasiertes Arbeiten einerseits nur ein Teilaspekt, nur ein Puzzleteil einer umfassenden Transformation ist. Dass der Einsatz cloudbasierter Tools als Folge dessen aber andererseits der einzige Weg ist, mit dem ich digitale Transformation als Unternehmen überhaupt gestalten kann.

Denkst du, dass durch kollaboratives Arbeiten die Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben zunehmend verschwimmen? Oder siehst du das weniger kritisch?

Klare Antwort: ja. Und ich sehe da per se auch überhaupt nichts kritisches. Arbeit ist ein integraler Bestandteil unseres Lebens, der erfüllend und sinnstiftend sein kann. Die allermeisten Menschen arbeiten gerne. Schwierig wird es, wenn private Interessen mit meiner Arbeit auf Grund irgendwelcher Zwänge, wie Anwesenheitspflichten im Büro oder Kernarbeitszeiten oder dergleichen kollidieren. Daher bin ich dankbar für jeden kulturellen oder technologischen Fortschritt, wie den Einsatz unserer cloudbasierten Arbeitsplätze, der es mir erlaubt zeitlich und örtlich völlig ungebunden arbeiten zu können – und zwar ohne Kompromisse in Sachen Qualität oder Produktivität eingehen zu müssen.

Wie immer liegen Fluch und Segen aber nahe beieinander. So wird es auch immer wichtiger, dass wir bewusster mit den uns gegebenen technischen Möglichkeiten umzugehen lernen. Das meinte ich eben unter anderem auch mit der Befähigung und Qualifizierung unserer Mitarbeiter. Nur weil Arbeit plötzlich immer und überall möglich wird, heißt das nicht, dass wir auch immer und überall arbeiten sollen. In Abgrenzung zu konventionellen Arbeitsmodellen, wo Produktivität und Leistung oftmals noch mit der Anwesenheitszeit im Büro gleichgesetzt wird, ist die Aufgabe einer modernen Unternehmenskultur damit aufzubrechen und Anreize dafür zu schaffen, eben gerade mit wenig, aber dafür mit hoch effektiv genutzter Arbeitszeit produktiver sein zu wollen.

Vielen Dank Matthias für dieses Interview. Wir freuen uns, dich am 17. Mai in der IHK wiederzusehen und das Thema weiter vertiefen zu können.

Weitere Infos:

squild.de 

facebook.com/squild

CREATIVE SOLUTIONS

 

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