Schauspielerin Edda Petri über Frauen in der Kreativwirtschaft

Frauen sind keine Anziehpuppen, längst nicht mehr nur Mütter und schon auf Chefpositionen diverser Unternehmen und Institutionen angekommen. Wann hören also die Vorurteile und die Ungleichbehandlung auf? Denn Gleichberechtigung fängt bei der Wahrnehmung an, nicht bei irgendeiner Quote. Zeit, Missstände, Erfolge und Wege zu erläutern und zu hinterfragen: Frauendomäne Kreativwirtschaft? Ein Märchen, das sich hartnäckig hält! Am 12. April wird im Garellyhaus über die Bedingungen für Frauen in der Kreativwirtschaft diskutiert. Wir stellen euch nacheinander die Podiumsteilnehmerinnen vor. Den Anfang macht die Schauspielerin Edda Petri.
Frauen in der Kreativwirtschaft

Was bedeutet Feminismus für dich in der heutigen Zeit?

Edda: Heute Feministin oder Feminist zu sein, heißt zuerst einmal, zu erkennen, dass Männer und Frauen immer noch nicht gleichberechtigt sind. Es heißt, die bestehende Rollenverteilung zu hinterfragen und sich nicht mit biologistischen Antworten wie »Frauen/Männer sind nun mal so« zufrieden zu geben. Auf Sexismus in den Medien, im Beruf und im Alltag zu achten und vor allem: zu reagieren.

Die aktuelle #ME TOO-Debatte beispielsweise ist wichtig, auch ganz konkret für mich als Schauspielerin. Ich kenne tatsächlich KEINE Kollegin, die noch nie irgendwelche Übergriffe erlebt hat, subtile oder ganz offen aggressive. Das können sexuelle oder verbal demütigende Attacken sein. Dass diese Debatte nun so spät geführt wird, ist erschreckend, zeigt uns aber, wo wir stehen.

Wichtig ist, dass wir uns immer wieder vergegenwärtigen und auch kommunizieren, dass Feminismus eben kein Kampf gegen Männer ist, sondern einer gegen patriarchale Strukturen, die beide Geschlechter in festgefahrene Rollen zwingen und unfrei machen.

Wo gibt es heute noch maßgebliche Unterschiede in der professionellen Wahrnehmung von Frauen und Männern?

Edda: In kaum einem anderen Land Europas ist die Kluft bei der Bezahlung von Frauen und Männern so groß wie in Deutschland. Mit 22 Prozent liegt die sogenannte Gender-Pay-Gap (Geschlechter-Gehaltslücke) deutlich über dem EU-Durchschnitt. Damit gehört Deutschland gemeinsam mit Zypern, der Slowakei und Estland zu den vier europäischen Ländern, in denen Frauen am stärksten wirtschaftlich benachteiligt werden.

Das den ArbeitnehmerInnen zugestandene Gehalt, ja sogar die Klasse der ihnen zur Verfügung gestellten Dienstwagen (ökologisch fragwürdig oder nicht) drückt in unserer Gesellschaft den Grad der Wertschätzung und den Respekt für die erbrachte Leistung aus. Damit scheint es also nicht weit her zu sein.

Kinderwunsch, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist -immer noch –  ein Riesenthema für Arbeitgeber bei Einstellung einer Frau. Bei Männern geht man davon aus, dass die berufliche Laufbahn davon vollkommen unbehelligt bleibt. Familie ist Privat- und damit Frauensache.

Dadurch, dass wir hinnehmen, dass es einen eklatanten Mangel an weiblichen Führungskräften sowie an Kinderbetreuungsmöglichkeiten (Betriebskindergärten etc.) gibt, fördern weite Teile von Politik, Medien und Wirtschaft immer noch die traditionelle Rollenverteilung der Geschlechter. Und solange diese in den Köpfen verankert ist, ändert sich auch an Arbeitszeiten und Bezahlung nichts.

Was bedeutet das langfristig gesehen für die Arbeitswelt: mit der Diversität zu arbeiten und die Chancen und Arbeitsweisen der Geschlechter zu nutzen oder die vollkommene Gleichberechtigung anzustreben und das Geschlecht sozusagen aufzulösen?

Edda: Das ist in meinen Augen kein Widerspruch. Das Zusammentreffen unterschiedlicher Herangehensweisen an ein Thema, Erfahrungshintergründe, Lösungsstrategien können ungemein spannend, inspirierend und auch beruflich zielführend sein. Gleichberechtigung ist nicht Gleichmacherei!

Ich wünsche mir langfristig, dass auch Frauen verstärkt Netzwerke aufbauen und diese auch professionell nutzen, statt sich, einander bewertend, immer wieder selbst zu behindern. Und ich wünsche mir mehr Feministen!

Herzlichen Dank für deine Meinung!

Mehr von Edda Petri hört ihr am Donnerstag, 12 April um 19 Uhr im Garelly Haus. Gemeinsam mit Karina Hartwahn und Christine Thull von Projekt Piñata, Dr. Cornelie Kunkat vom Deutschen Kulturrat (Referat für Frauen in Kultur und Medien), Josephine Ortleb von der SPD, Dr. Heike Mißler von Universität des Saarlandes (Anglistik/Gender Studies) sowie Darja Linder vom Haifischblut Collective werden Missstände aufgegriffen, Arbeitsbedingungen für Frauen in der Kreativwirtschaft diskutiert und Lösungsansätze angesprochen. Moderiert wird Thesentango von Svenja Burmann vom kreativzentrum.saar. Die Veranstaltung findet in Kooperation mit der Netzwerkstelle Frauen im Beruf (FiB) und dem Frauenbüro Saarbrücken statt.

Die Interviews der anderen Teilnehmerinnen findet ihr hier.

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Edda Petri

Edda Petri

Edda Petri wurde in Lippstadt/NRW geboren und studierte Germanistik und Psychologie an der Ruhr-Universität Bochum, sowie Schauspiel in München.

Seither ist sie erfolgreich als Schauspielerin, Musicaldarstellerin, Sprecherin, Moderatorin & Coach tätig.

Neben Engagements u.a. an den Münchner Kammerspielen, dem Pfalztheater Kaiserslautern, dem Theater Trier, dem Kapuzinertheater in Luxemburg sowie am Saarländischen Staatstheater Saarbrücken arbeitet Edda Petri auch regelmäßig als Darstellerin für Film und Fernsehen (u.a. „Balko“, „Der Fahnder“, „Tatort“, „Fall für 2“, „Alarm für Cobra 11“)

Von 1998- 2017 war sie darüber hinaus Projekt-und Programmplanerin beim Kulturunternehmen “Musik&Theater Saar GmbH”

Sie unterrichtet an der Schauspielschule “acting&arts” in Saarbrücken, ist Sprecherin im Hörfunk und leitet vorrangig frauenspezifische Seminare als Sprach -, und Stimmcoach.

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