Aufruf: Lebendige Erinnerung. Künstlerresidenzen Hundert Jahre Erster Weltkrieg

Ein Netz von Künstlerresidenzen, die an mehreren Orten des Departements Meuse angesiedelt sein werden und die über den Zeitraum der Gedenkfeierlichkeiten unterschiedliche Beiträge zum Thema Krieg zusammenstellen und die Aufarbeitung der Vergangenheit fördern - eine unabdingbare Voraussetzung für die Freiheit und die Gestaltung der Zukunft.

HINTERGRUND DER KÜNSTLERRESIDENZ

Das Departement Meuse wurde vom Ersten Weltkrieg besonders gezeichnet, noch heute finden sich hier die unauslöschlichen Spuren der Vergangenheit. Aber auch wenn diese Vergangenheit die Identität des Departements maßgeblich geprägt hat, kommt man nicht umhin festzustellen, dass die symbolischen Namen, die Daten der Schlachten nicht mehr ausreichen, um die Aufmerksamkeit der Bewohner unseres Departements und der neuen Generationen zu gewinnen. 100 Jahre nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs hat sich die Wahrnehmung dieses Konflikts verändert. Angesichts der Gefahr der Banalisierung bzw. des Vergessens scheint es notwendig, anlässlich des 100. Jahrestages einen Prozess der Wiederaneignung der Vergangenheit anzustoßen und so das Bewusstsein der Bürger für diesen Krieg zu stärken, dessen Besonderheit zu veranschaulichen und auch verständlich zu machen, inwieweit dieser als Schlüssel dienen kann, um das heutige Gebiet, die heutige Gesellschaft und deren Spannungen zu begreifen.

Vor diesem Hintergrund hat der Generalrat des Departements Meuse beschlossen, zeitgenössische Künstler dazu einzuladen, ihren Blick und ihr Empfinden in Bezug auf diese Jahre 14 – 18 und allgemein auf den Krieg zum Ausdruck zu bringen, im Rahmen von Künstlerresidenzen auf dem Gebiet des Departements. Dieser zeitgenössische, künstlerische Blick soll erlauben, den Krieg und dessen Auswirkungen zu hinterfragen, eine Begegnung der Bevölkerung mit der Vergangenheit herbeizuführen und ihr zu ermöglichen voranzuschreiten. Ein Netz von Künstlerresidenzen, die an mehreren Orten des Departements Meuse angesiedelt sein werden und die sich über den Zeitraum der Gedenkfeierlichkeiten erstrecken werden, wird es ermöglichen, unterschiedliche Beiträge zum Thema Krieg zusammenzustellen und dieAufarbeitung der Vergangenheit zu fördern, eine unabdingbare Voraussetzung für die Freiheit und die Gestaltung der Zukunft.

ZIELE

  • Anregung und Umsetzung einer künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Ersten Weltkrieg;
  • Förderung eines neuen und vertieften Umgangs mit der Erinnerung an den Ersten Weltkrieg;
  • Sensibilisierung der Öffentlichkeit für die grundlegenden Fragen von Konflikten und Bündnissen zwischen Staaten, die psychologischen, soziologischen, emotionalen und materiellen Auswirkungen auf Kombattanten und Nichtkombattanten, Themen wie Macht und Niederlage, etc.
  • Förderung des zeitgenössischen künstlerischen Schaffens, der Entstehung neuer Werke;
  • weitere Öffnung des Departements durch die Aufnahme von Künstlern aus verschiedenen Kunstdisziplinen und unterschiedlichen Herkunftsländern;
  • Kulturvermittlung als zentrales Anliegen des Programms;
  • Förderung einer authentischen und nachhaltigen Begegnung zwischen der lokalen Bevölkerung, den lokalen Akteuren (Volksvertreter, Vereine, Schulen …) und den Künstlern.

VORSTELLUNG DES PROGRAMMS

Das Künstlerresidenz-Programm soll dazu dienen, die historische Identität des Departements Meuse zu beleuchten. Es bietet den Künstlern die Möglichkeit, sich im Rahmen ihres Gastaufenthaltes in einen kreativen Prozess zu begeben, der sich mit Themen auseinandersetzt, die vom Krieg inspiriert werden, ohne sich dabei jedoch einer geschichtlichen Rekonstruktion zu widmen, die als reiner Selbstzweck verstanden wird. Es geht darum, aktuelle Fragen aufzuwerfen und zu untersuchen, Fragen zu Emotionen, Brüchen, Geostrategien, menschlichen
Beziehungen, wirtschaftlichen Belangen, etc. Dieser Aufenthalt wird auch ermöglichen, ein künstlerisches Arbeiten in engem Kontakt zur lokalen Bevölkerung aufzubauen, denn die Künstlerresidenzen werden während der Dauer der Gedenkfeiern das ganze Departement durchziehen, durch die Anwesenheit von Künstlern bei der Arbeit und in regelmäßigem Kontakt mit der Öffentlichkeit. In regelmäßigen Abständen werden offene Begegnungen in Form von Diskussionsforen rund um das Thema „Künstlerisches Schaffen und Krieg“ organisiert.

PFLICHTEN DER BEWERBER

  • Das künstlerische Projekt muss sich mit einer Problematik beschäftigen, die mit dem Krieg in Zusammenhang steht*.
  • Die Künstlerresidenz ist Teil eines künstlerischen Projekts, an dessen Ende ein künstlerisches Werk stehen soll.
  • Die Künstlerresidenzen werden in einer der fünf Kultureinrichtungen angesiedelt sein, die Partner des Programms sind (Anlage 1) und deren Aufgabe es sein wird, die Künstler dabei zu begleiten, sich in die lokalen Gegebenheiten einzufinden. Es muss also vorab und auf Initiative des Bewerbers eine Partnerschaft zwischen diesem Bewerber und einer der unterstützenden Kultureinrichtungen eingegangen werden.
  • Die ausgewählten Künstler erklären sich bereit, an Begegnungen teilzunehmen, die auf Initiative des Departements organisiert werden und bei denen die künstlerische Arbeit präsentiert wird.
  • Die ausgewählten Künstler müssen, in enger Zusammenarbeit mit der Einrichtung, die die Künstlerresidenz beherbergt, Zeiten für den Austausch mit der Öffentlichkeit vorsehen (verschiedene Workshops zur Einführung oder Vertiefung).
  • Die Künstler verpflichten sich, ihr Werk binnen 2 Jahren nach dessen Entstehung im Departement Meuse der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Plastische Werke bleiben das Eigentum ihres Schöpfers, der während der gesamten Dauer der Künstlerresidenz und auch danach für diese Werke die Verantwortung trägt.

*Der jährliche thematische Rahmen der Gedenkfeiern des Departements Meuse zum Ersten Weltkrieg (Anlage 2) kann als Ansatzpunkt für die Projekte der Bewerber dienen, dies ist jedoch nicht zwingend.

ANGESPROCHENE KÜNSTLER

Die Aufforderung zur Einreichung von Bewerbungen steht allen künstlerischen Ausdrucksformen offen: Theater, Figurentheater, Objekttheater, Tanz, Instrumentalmusik, Vokalmusik, Videokunst, Bildhauerkunst, etc. Das künstlerische Projekt kann von einem einzelnen Künstler, einer jungen oder einer erfahrenen Kompanie, einem Künstlerkollektiv, einer Kompanie französischer oder anderer Nationalität durchgeführt werden.

ZEITRAUM UND DAUER

Das Programm startet 2014 und läuft bis Dezember 2017, dem Hauptzeitraum der Gedenkfeiern des Departements Meuse zum Ersten Weltkrieg 14-18. Die Künstlerresidenzen sind längerfristig angelegt (mindestens ein Jahr), um den Aufbau einer wirklichen Beziehung zur Öffentlichkeit zu ermöglichen. Dabei wird von der Prämisse ausgegangen, dass ein angemessener Zeitraum nötig ist, um das Interesse und die Unterstützung der Öffentlichkeit für die künstlerische Aktivität und die Thematik zu wecken und die Bedeutung dieses Themas für unsere heutigen Gesellschaften ins Bewusstsein zu bringen, auch über den 100. Jahrestag hinaus.

BEDINGUNGEN

Die Künstlerresidenzen werden von fünf Partnervereinen aus dem Bereich Kultur durchgeführt, die aufgrund ihrer Expertise und ihrer Erfahrung in diesem Bereich ausgewählt wurden:
 ACTION CULTURELLE DU BARROIS – Le Théâtre 20 Rue Theuriet 55000 Bar-le-Duc
 TRANSVERSALES – 1 Place du Marché Couvert 55100 Verdun
 LE VENT DES FORETS – 21 Rue des Tassons 55260 Fresnes-au-Mont
 SCENES ET TERRITOIRES EN LORRAINE – Le Grand Sauvoy 17 Route de Metz 54320 Maxéville
 VU D’UN OEUF – 27 Rue de Metz 55160 Fresnes-en Woëvre

Diese Vereine, vom Generalrat des Departements Meuse als für das Departement wichtige kulturelle Akteure eingestuft, werden von der Regionaldirektion für kulturelle Angelegenheiten (DRAC) und der Region Lothringen anerkannt und unterstützt. Die genannten Partnerstrukturen verpflichten sich gegenüber den aufgenommenen Künstlern dazu,

  • den Kontakt zur Gastregion und zur lokalen Bevölkerung und Schülerschaft zu organisieren, in einer der Situation angemessenen Form (Kunstgattung, Voranschreiten des Schaffensprozesses, etc.);
  • die für den Schaffensprozess nützlichen Ressourcen bereitzustellen (Räumlichkeit, Unterkunft, Logistik);
  • das für den Schaffensprozess nützliche Material beizubringen, z.B. Besichtigung der Gedenkstätten, Bekanntmachung mit Informationszentren und Ansprechpartnern, etc.;
  • aktiv an der Organisation der jährlichen Begegnungen mitzuwirken;
  • an den Begleitausschüssen teilzunehmen und über die Entwicklung der Projekte zu informieren;
  • die administrative und finanzielle Verwaltung der Künstlerresidenz zu gewährleisten.

AUSWAHLMODALITÄTEN

Ein Expertenausschuss, bestehend aus den Leitern der fünf Partnerstrukturen, Fachleuten der Direktion Kultur des Generalrates des Departements Meuse sowie den Kulturreferenten der Partnerbehörden (DRAC, Regionalrat), übernimmt die Aufgabe, die Projekte zu prüfen und auszuwählen. Bei der Auswahl werden folgende Kriterien zugrunde gelegt:

  • die künstlerische Qualität des Projekts,
  • die Originalität des Projekts,
  • die Übereinstimmung des Projekts mit der vorgegebenen Thematik,
  • die Beziehung des Werkes zur Öffentlichkeit.

Das Ergebnis der Auswahl wird per Internet bekanntgegeben:

  • auf der Website des Generalrates des Departements Meuse,
  • auf der Website der DRAC Lorraine,
  • auf der Website Plurio.net

FINANZIELLE BEDINGUNGEN

Das Departement Meuse sieht eine finanzielle Beteiligung an jedem ausgewählten Projekt und für die Dauer der Residenz vor. Diese Finanzierung umfasst eine Beteiligung an den mit dem kreativen Projekt zusammenhängenden künstlerischen Ausgaben und den diesbezüglichen Kosten der Residenz. Je nach Fall werden die Mittel direkt an den Künstler gezahlt oder an die Einrichtung, bei der die Künstlerresidenz angesiedelt ist.

In Ausnahmefällen kann diese Unterstützung durch einen Investitionszuschuss ergänzt werden, um die Anschaffung von Material und Ausrüstung für die Residenzproduktion (zum Teil) zu finanzieren. Die Finanzierung der Residenz erfolgt in jährlichen Zahlungen. Die eventuelle Unterstützung des Departements für die Präsentation des entstandenen Werks fällt nicht unter das vorliegende Programm. Eine solche Unterstützung kann im Rahmen der normalen Kulturpolitik des Departements geprüft werden. Die DRAC Lorraine und die Region Lothringen sind mit dem Programm vertraut und können die Projekte im Rahmen ihrer jeweiligen Vorschriften begleiten. Das Departement Meuse stellt die Bekanntmachung des Programms sicher.

BEWERBUNGEN/MODALITÄTEN FÜR DIE EINREICHUNG

Die Bewerbungsunterlagen müssen Folgendes enthalten:

  • eine Beschreibung des künstlerischen Projekts: dem Projekt zugrundeliegende Idee – Entwicklungsperspektiven – geplante Kunstform;
  • die Angabe des Kulturvereins, an dem die Künstlerresidenz angesiedelt sein soll (siehe Anlage 1), mit einer Beschreibung des Kooperationsvorhabens;
  • theoretische Vorschläge dazu, in welcher Form die Kunstvermittlung und die Sensibilisierung der Bevölkerung erfolgen könnte;
  • einen voraussichtlichen Zeitplan für das Projekt;
  • ein geschätztes Gesamtbudget, verteilt auf die einzelnen Jahre;
  • eine Bescheinigung über die Bankverbindung.

Den Bewerbungsunterlagen müssen zudem ein Bewerbungsschreiben, ein Lebenslauf, künstlerische Referenzen sowie das beiliegende Formular (Anlage 3) beigefügt werden.

LENKUNG UND ÜBERWACHUNG DES PROJEKTS

Ein Lenkungsausschuss, der für die operationelle Überwachung von einem Fachausschuss unterstützt wird, wird die Projekte auswählen und die Bedingungen für die Umsetzung der Künstlerresidenzen festlegen (Zeitraum, Finanzierung, etc.).

Der Lenkungsausschuss setzt sich aus den folgenden Personen zusammen:

  • dem Präsidenten des Generalrates des Departements Meuse;
  • den für den Bereich Kultur und/oder für Projekte im Rahmen der Gedenkfeiern zum Ersten Weltkrieg zuständigen Volksvertretern im Generalrat des Departements Meuse;
  • dem Regionaldirektor für kulturelle Angelegenheiten;
  • den Leitern der fünf kulturellen Partnerstrukturen;
  • den Fachleuten der Partnerbehörden.

ZEITPLAN

Der Aufruf zur Einreichung von Projekten wird alljährlich, von 2015 bis 2017, erneuert.
Die Termine für die Einreichung der Bewerbungsunterlagen werden wie folgt festgelegt

  • der 30.06. und 31.12. jeden Jahres bis zum 31.12.2017.

Mehr Informationen und die pdf mit allen Infos findet ihr hier.

 

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