Wie sichere ich mich als Kreativer ab? | Talk to Me

Anette Weiß kennt sich mit Geld aus. Sie ist Geschäftsführerin und Gründerin der geld.wert finanzbildung GmbH und glücklicherweise ist es Teil ihres Berufs, dieses Wissen mit anderen zu teilen. Das tut sie in Workshops, persönlichen Beratungen und in Talkrunden. Wir haben mit ihr über Absicherung, unregelmäßiges Einkommen und den richtigen Zeitpunkt zum Start der Altersvorsorge gesprochen. Soviel sei schon mal verraten: Es ist noch nicht zu spät!
Wie sichere ich mich als Kreativer ab?

Liebe Anette, wie sichere ich mich als Kreativer ab, wenn ich 2060 mit 75 in Rente gehe? Ist es mit Anfang 30 schon zu spät?

😀 Nein, zu spät ist das auf keinen Fall! Anfang 30 ist ein wunderbares Alter, um mit der Finanzplanung anzufangen. Außerdem scheinst Du Deinen Job zu mögen, da Du schon gleich annimmst, dass Du bis 75 arbeiten kannst und willst – das ist sehr gut. Gerade die Zeit ist der wichtigste – weil einzig unbeeinflussbare – Faktor in jeder Vorsorgeplanung: umso länger Du Deinem Geld Zeit lassen kannst, zu wachsen und gedeihen, umso weniger groß muss die Summe sein, von der Du später Deine monatliche Versorgung entnimmst.
Das „wie?“ ist also die größere Frage und hier brauche ich erst mal viel mehr Informationen über Dich und Deine Lebens- und Finanzsituation, um Dir sagen zu können, was für Dich Sinn macht. Noch besser wäre es natürlich, wenn Du selbst genug über solcherart relevantes Finanzwissen verfügen würdest, dass Du Dir selbst eine Meinung bilden könntest, was für Dich Sinn macht: Dann bist Du auch gerüstet für Veränderungen – auch mit Anfang 30 bist Du ja noch lange nicht am Ende der Fahnenstange angekommen, da kann sich noch viel tun!

Grundsätzlich kann man nur sagen, dass Du Dich für Deine Versorgung nicht auf ein Produkt oder eine einzige Einnahmequelle alleine verlassen solltest: Umso besser verteilt und sauber ausgewogen Deine verschiedenen Vermögensbestandteile sind, umso stabiler steht auch deine Altersversorgung da.

Welche Möglichkeiten der Rücklagenbildung gibt es in Hinblick darauf, dass mein Einkommen unregelmäßig ist?

Zuerst einmal tut da wohl ein wenig unternehmerisches Denken gut: Unregelmäßiges Einkommen bedeutet nicht zwangsläufig, dass man auch nur unregelmäßig sparen kann. Freiberufler sind eigentlich Unternehmer, sie verhalten sich nur meist nicht so, weil sie sich selbst nicht als solche sehen und weil ihnen wirtschaftliches Wissensgrundlagen dazu fehlt.
Um aber eine Grundversorgung zu sichern und wenigstens ein kleines Netz unter sich aufzuspannen, während man auf dem Seil tanzt, ist es absolut sinnvoll, einen angemessenen Betrag jeden Monat – und ohne wenn und aber! –  zurück zu legen. Auch wenn ich sonst keine große Freundin unflexibler Verträge oder von Versicherungen überhaupt bin, eine solche Mindestversorgung geht am besten über einem langlaufenden Vertrag, der wissend und unter den richtigen Voraussetzungen ausgesucht und abgeschlossen wurde.
Alles andere, das, was wir unter „gutem Leben im Alter“ verstehen, geht auch flexibel aufzubauen und kann je nach aktueller Einkommenslage gut gesteuert werden: Ob es jetzt die Investition in Einzelaktien oder eine ordentlich strukturiertes Fondsdepot sein soll, ist auch eine Mentalitäts- und Zeitaufwandsfrage. Am wichtigsten ist es, die einzelnen Möglichkeiten (so viele sind es gar nicht) überhaupt zu kennen und für sich entscheiden zu können, was zu einem passt und wo die eigenen Schwerpunkte gesetzt werden sollen.

 

Kann ich mir mit geringem Verdienst, also schon mit kleinen Summen, eine rosigere Zukunft sichern?

Ganz ehrlich? Die eierlegende Wollmilchsau der Altersvorsorge gibt es nicht. Selbstverständlich ist jede Altersversorgung besser als keine Altersversorgung, und auch aus kleinen Anlagesummen kann mit genügend Zeit eine ansehnliches Kapital aufgebaut werden – wer aber als Kreativer nicht gerade unternehmerisch sehr gut unterwegs ist und sein Leben lang nur 50,- € im Monat zu Seite legt, wird im Alter ziemlich sicher nicht ohne (staatliche) Unterstützung auskommen. Es muss einfach klar sein, dass Vermögen – also die Altersversorgung – nur aus dem Zusammenspiel von Zeit, Rendite und (Kapital-)Einsatz entstehen kann und jeden Faktor den Du dabei minimierst, macht Dir auch Deine Versorgung dementsprechend minimaler.
Außerdem solltest Du zu Beginn jeder Überlegung zur Altersvorsorge erst mal definieren: Was heißt „rosig“ für Dich überhaupt? Wie soll denn Dein Leben später aussehen und wie kannst Du das in Zahlen übersetzen?
Wenn wir nämlich immer nur davon ausgehen, wie wenig wir denn nach unserem heutigen Einkommensniveau überhaupt sparen können, kommen wir aus dem Mangeldenken und den schlechten Gefühlen überhaupt nicht mehr raus – wie soll denn da genug Kreativität entstehen, um wirklich nach echten Lösungen zu suchen?

In den Workshops und Beratungen, die du anbietest, können Selbstständige ihren Finanzbedarf im Alter berechnen. Was beachten die wenigsten dabei?

Selbständige lernen natürlich in meinen Workshops auch, zwei große handwerkliche Fehler zu vermeiden, die selbst einer ansonsten gut ausgeklügelten Altersvorsorgestrategie später noch das Genick brechen können: Wir achten darauf, die gerne vernachlässigte Inflation zu berücksichtigen – und wir reden jetzt nicht von der statistischen Inflation, denn die hat mit unserem persönlichen Erleben in der Regel sehr wenig zu tun. Zudem ist es sehr vielen Menschen immer noch nicht ganz bewusst, dass mittlerweile auch im Alter Steuer und Krankenversicherung bezahlt werden müssen, das ist wirklich ein Brocken, den man nicht außer Acht lassen darf, will man später nicht höchst unangenehm überrascht werden. Aber: Auch das ist, neben der vorhin schon angesprochenen Kontraproduktivität des Mangeldenkens, alles kein Hexenwerk und gut zu erlernen. Denn bei aller Sorgen-Macherei und dem allgegenwärtigen Pessimismus, der um sich greift, sobald es um das Thema Altersvorsorge geht: Nach meiner Erfahrung (und ich habe eine ganze Menge davon) gibt es immer passende Lösungen und gute Wege, seines Glückes – und seiner guten Altersversorgung – Schmied zu sein.

Liebe Annette, vielen Dank für das informative Gespräch und den Mut, den du uns machst.

Mehr Tipps rund um das Thema Geld und Absicherung und Vorsorge bekommt ihr übrigens auf Annette Weiß Blog geld.wert

Anette Weiß

Geschäftsführerin der geld.wert finanzbildung GmbH

  • Persönlichkeitsentwicklung und Finanzwissen
  • Vermögensaufbau und Altersvorsorge
  • Investmentfonds
  • finanzielle Lebenspläne
  • Unternehmensaufbau als Freiberufler/in und Selbständige/r
  • Vermögensanlage, -verwaltung und -begleitung

 

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